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Konkordiahütte: Erste Reihe am größten Gletscher der Alpen

Es gibt wenige Orte in den Alpen, die das Wort "überwältigend" wirklich rechtfertigen. Die Konkordiahütte ist einer davon. Auf einem Felsrücken auf 2850 Metern Höhe, umgeben vom Zusammenfluss von Jungfraufirn, Ewigschneefeld und dem oberen Aletschgletscher, liegt diese SAC-Hütte mitten in einem der beeindruckendsten Eislandschaften des europäischen Kontinents. Die Eismassen, die sich hier in alle Richtungen erstrecken, haben einen Namen, der dem Ort gerecht wird: Konkordia, Einheit.

Das UNESCO-Welterbe Aletsch

Der Aletschgletscher ist mit einer Länge von rund 23 Kilometern und einer Masse von etwa 27 Kubikkilometern Eis der größte Gletscher der Alpen. Zusammen mit dem Jungfrau-Massiv und dem Bietschhorn wurde er 2001 von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet — ein Schutzstatus, der die wissenschaftliche, ästhetische und ökologische Bedeutung des Gebietes anerkennt.

Die Konkordiahütte liegt genau im Herzen dieses Welterbes, an der Stelle, wo vier Eiszuflüsse zusammentreffen. Von der Hüttenterrasse blickt man in alle Himmelsrichtungen auf Gletscher; kein Fels, kein Grün, kein Zeichen menschlicher Besiedlung unterbricht das Panorama.

Die berühmten Leitern

Was die Konkordiahütte von den meisten anderen Hütten unterscheidet, ist nicht nur die Lage, sondern der Zugang: eine Reihe von Stahlleitern, die von der Gletscheroberfläche zur Hüttentür hinaufführen. Ursprünglich waren diese Leitern kurz — der Gletscher reichte fast bis zur Hütte hinauf. Aber der Aletschgletscher schrumpft. In den letzten Jahrzehnten hat er sich am Konkordiaplatz um über 100 Meter in der Dicke reduziert; die Gletscherfläche liegt heute deutlich tiefer als noch in den 1980er Jahren.

Die Folge ist sichtbar und geradezu emblematisch: Die Leitern wurden immer länger. Aktuell überbrücken sie rund 150 Höhenmeter zwischen Gletscherfläche und Hütte — eine körperlich anstrengende Schlusskletterpartie nach einem langen Gletschertag, aber auch ein visuelles Dokument des Klimawandels, das kein Text besser erklären kann.

Zustieg und Routen

Die Hauptzustiegsroute zur Konkordiahütte beginnt am Jungfraujoch (3466 m), der Bergstation der Jungfraubahn, die von Grindelwald und Lauterbrunnen auf 3466 Meter fährt. Von dort sind es etwa drei Stunden über den Jungfraufirn — flaches, weites Gletschergelände, gut markiert, aber Steigeisen und Seil empfohlen, weil Spalten vorhanden sind.

Alternativ ist der Aufstieg von Fiesch im Goms (1048 m) über den Märjelensee und den Oberaletschgletscher möglich — eine deutlich längere Route von sechs bis sieben Stunden, die jedoch mehr Einsamkeit und eine andere Perspektive auf das Gebiet bietet.

Vom Jungfraujoch aus ist die Konkordiahütte auch in der Skitourensaison (März bis Mai) erreichbar und beliebt als Startpunkt für die klassische Ski-Haute-Route sowie für Touren auf Jungfrau (4158 m), Mönch (4107 m) und Aletschhorn (4193 m).

Die Hütte

Die Konkordiahütte bietet etwa 100 Schlafplätze in Lagern und Zimmern. Die Atmosphäre ist deutlich alpinistischer als auf touristischeren Hütten; die Mehrheit der Gäste sind Skitouren-Alpinisten oder Hochtouristen auf mehrtägigen Gletscherrouten. Das Personal betreibt die Hütte von Ende März bis Mitte September. Die Verpflegung ist Hüttenkost mit gutem Niveau.

Gletscherrückgang als gelebte Realität

Die Konkordiahütte ist vielleicht der deutlichste Ort in den Alpen, wo der Klimawandel keine abstrakte Zahl ist, sondern täglich sichtbarer Befund. Gäste, die die Hütte zum zweiten Mal besuchen — zehn oder zwanzig Jahre nach dem ersten Besuch — berichten von einem Schock: Der Gletscher, der sich früher fast bis zur Hütte erstreckte, ist gewichen. Die Leitern sind länger. Der Fels darunter ist neu freigelegt.

Diese Veränderung schmerzt, aber sie dokumentiert auch die Wichtigkeit solcher Orte: als Zeuge, als Maßstab, als Erinnerung.

Auf der Karte erkunden

Die Konkordiahütte und alle weiteren Aletsch-Hütten sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Karte öffnen