Die Ski-Haute-Route: Chamonix bis Zermatt in sechs Tagen
Die Ski-Haute-Route von Chamonix nach Zermatt gilt als die klassischste mehrtägige Skitour der Alpen. Sie verbindet zwei der berühmtesten Bergstädte Europas über 120 Kilometer Gletscherterrain, mehrere Hochpässe über 3000 Metern und Abfahrten, die Bergführer und erfahrene Tourengänger seit Jahrzehnten begeistern. In der Standardversion dauert sie sechs Tage; je nach Wetterglück, Kondition und gewählten Varianten sind fünf bis acht Tage realistisch.
Die Route
Etappe 1, Chamonix–Refuge du Montenvers oder Col du Passon: Der erste Tag beginnt meistens mit der Seilbahn auf die Aiguille du Midi (3842 m) und einer langen Abfahrt über den Vallée Blanche — den bekanntesten Gletscherkorridor der Alpen. Von dort werden die ersten Pässe angegangen.
Etappe 2, Grand St. Bernhard-Region–Cabane du Vignettes: Über Col de Prafleuri oder Col de la Chaux in die Cabane des Vignettes, eine der klassischen Etappenhütten auf der Strecke. Die Hütte liegt auf 3160 m über dem Otemma-Gletscher.
Etappe 3, Cabane des Vignettes–Cabane de Bertol: Über den Col de l'Évêque (3392 m) zur Cabane de Bertol. Dieser Übergang ist landschaftlich der eindruckvollste der gesamten Route: weites Gletscherbecken, exponierter Grat, Arrière des Bertol.
Etappe 4, Cabane de Bertol–Schönbielhütte (oder direkt Zermatt): Über den Col de Valpelline (3562 m) und den Glacier de Zmutt zur Schönbielhütte (2694 m). Das Matterhorn ist am Ende dieses Tages zum ersten Mal in seiner vollen Präsenz sichtbar.
Etappe 5, Schönbielhütte–Zermatt: Abstieg nach Zermatt. Wer direkt nach Zermatt will, nimmt die Bahn; wer die Route auskostet, skirt über den Gorner-Gletscher zur Monte-Rosa-Hütte.
Varianten
Die beschriebene Route ist eine von mehreren Möglichkeiten. Varianten führen über die Cabane de Prafleuri statt direkt zur Vignettes, oder über den Tête Blanche (3724 m) für eine Verlängerung in Richtung Grand Combin. Die Literatur zur Haute Route füllt Regalmeter; das Standardwerk ist nach wie vor "The Haute Route" von Kev Reynolds.
Technische Anforderungen
Die Ski-Haute-Route ist keine Einsteigertour. Wer sie plant, braucht:
— Sicherheit im Skitourengehen auf Steilhängen bis 40 Grad — Kenntnisse in alpiner Gletscherbegehung (Seil, Steigeisen, Pickel) — LVS-Gerät, Schaufel, Sonde — Wetterkunde und Erfahrung mit schnellen Wetterumschwüngen — Bergführer oder mindestens einen Mitgänger mit vergleichbarer Erfahrung
Die meisten Gruppen buchen einen IFMGA-Bergführer für die gesamte Tour oder für einzelne technische Abschnitte.
Hütten auf der Route
Cabane du Lac des Vaux, Refuge de Lourtier, Cabane des Vignettes, Cabane de Bertol, Schönbielhütte — alle auf der Route und vorbestellungspflichtig. In der Hochsaison (März bis April) sind Plätze Wochen im Voraus vergriffen.
Die Cabane des Vignettes (3160 m) ist die emotionale Mitte der Route: auf einem Felsrücken über dem Otemma-Gletscher, umgeben von Gletschern in alle Himmelsrichtungen, mit einem Abendhimmel, der sich ungestört über das gesamte Wallis erstreckt. Frühaufbruch um 3 bis 4 Uhr morgens zur Cabane de Bertol ist hier Pflicht; der Col de l'Évêque (3392 m) muss in der Harschphase überwunden werden.
Die Schönbielhütte (2694 m) im Mattertal ist der vorletzte Stop vor Zermatt. Von hier sieht man das Matterhorn in seiner imposantesten Ansicht — die Westflanke und der Zmuttgrat, frei von touristischen Einrahmungen.
Sicherheitsentscheidungen auf der Route
Die Ski-Haute-Route ist keine Route zum Durchdrücken bei schlechtem Wetter. Lawinenprognostik, Gletscherkondition und Wettervorhersage sind täglich neu zu bewerten. Gruppen, die die Route mit einem zertifizierten Bergführer (IFMGA) machen, haben den Vorteil der täglichen Entscheidungskompetenz; Selbstorganisierende Gruppen brauchen entsprechende Eigenkompetenz.
Umkehrentscheid: Auf der Haute Route gilt die Regel, dass schlechtes Wetter oder ungünstige Lawinenlage immer die Option "einen Tag warten" rechtfertigt. Die Hütten sind alle ausreichend komfortabel, um einen Wartetag zu überstehen — und die Route hat nach dem Wartetag noch denselben Wert.
Wetter und beste Zeit
Die beste Zeit ist Ende März bis Ende April. Die Tage sind lang genug für die langen Etappen; das Lawinenrisiko ist meist moderat nach der Konsolidierungsphase des Winterschnees; die Temperaturen ermöglichen angenehmes Tourengehen. Wer die Route früher (Februar) oder später (Mai) gehen will, erhöht das Risiko von schlechter Sicht, instabiler Schneelage oder fehlender Harschphase.
Auf der Karte erkunden
Die Cabane des Vignettes, Cabane de Bertol CAS und alle weiteren Hütten der Haute Route sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Karte öffnen